Heilige Momente – der Frühling

  • Kochen

Der Frühling ist definitiv meine liebste Jahreszeit. Ich mag es, wenn alles aufbricht, die Blumen sich durch die Bodendecke drücken und die Vögel zwitschern. Endlich gibt es wieder frisches Gemüse und die Erdbeer- und Spargelzeit steht vor der Türe. Gerade Ostern ist für mich ein besonderer – heiliger – Moment in dieser Jahreszeit.

Heilige Momente! Der Frühling

Frühlingserinnerungen

Gerade die Zeit um Ostern ist für mich schon immer eine besondere Zeit gewesen. Als Familie waren wir lange Jahre auf der Oster-Familienfreizeit der Kommunität Christusbruderschaft Selbitz. In meinen Kindertagen durchstreifte ich die Wälder um das Kloster, spielte am Bach oder schnitzte mir einen meiner unzähligen Speere mit denen ich dann wieder losziehen konnte. 

Ostern – der heilige Moment

Doch auch schon damals war gerade die Osternacht einer der schönsten Frühjahrsmomente. Noch vor Sonnenaufgang saß man in der Kapelle, hört die alten Geschichten vom Auszug aus Ägypten, dem Aufbruch der Israeliten in ein neues Land. 

Mit dem hereintragen der Osterkerze bricht das erste Licht durch die Dunkelheit der Kapelle. Langsam zünden alle ihre kleinen Kerzen an und der Feuerschein durchzieht jede Bankreihe. 
Mit der Lesung aus dem neuen Testament blicken auch die ersten Sonnenstrahlen durch die bunten Fenster und vertreiben den Rest aller Dunkelheit. 

Ich mag diese heiligen Momente, von denen es heute viel zu wenige in unserem Leben gibt. Momente, die voller Schönheit, voller Aufbruch und gleichzeitigem Innehalten, voller Sehnsucht und Ruhe sind. Diese Spannung wohnt auch dem Frühling inne: aufblühen, austreiben und warm werden wechseln sich mit kalten Nächten und Raureif auf dem Boden ab.
Vielleicht finde ich deshalb den Frühling so schön. Diese Zeit des Übergangs. Der Sommer kommt, der Winter geht. 

Frühlingsrezept: Frische Kräutersuppe

Alle Jahreszeiten sind voller Schönheit und der Frühling ist mir die liebste. Frische Kräuter, junges Gemüse und Leichtigkeit zieht in die Kochtöpfe ein. Teresa von Ávila schreibt, das Gott nicht im Verborgenen lebt oder weit entfernt ist. In den Kochtöpfen und Suppenschüsseln steckt er. Heilige Momente im Alltag.

Schon vor einigen Wochen habe ich ein altes Frühlingsrezept für eine frische Kräutersuppe herausgekramt, das meine Mutter manchmal gemacht hat, wenn es bei uns eine süße Hauptspeise gab. Vor allem wenn es Dampfnudeln gibt, passt diese Suppe als Vorspeise!

2 Bund Petersilie 
Weitere Frühlingskräuter wie Bärlauch nach belieben
1 Bund Frühlingszwiebeln
1L Hühnerbrühe (am Besten selbst gemacht)
120g Creme Fraiche
1TL Mehl
Butter 
Salz und Pfeffer

Die Kräuter waschen und fein hacken. Etwas Butter in einem Topf zerlassen. Auf niedriger Stufe die Frühlingszwiebel glasig dünsten. Etwa 1 Teelöffel Mehl zugeben und gut einrühren. Temperatur erhöhen und mit (kalter) Hühnerbrühe ablöschen. Die gehackten Kräuter zugeben und etwa 5 Minuten ziehen lassen. Creme Fraiche einrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. 
Danach unbedingt frische Dampfnudeln mit Vanillesauce essen. 

Dampfnudeln! Perfekt nach der Frühlingskräutersuppe
Leider habe ich kein Bild von der Frühlingskräutersuppe gefunden – dafür von perfekten Dampfnudeln.

Vielleicht habt ihr ja auch ein Lieblings-Frühlingsrezept? Ich freue mich, wenn ihr mir das per E-Mail zuschickt! 

Ich wünsche euch allen wunderschöne Frühlingstage, mehr heilige Momente im Leben und ein gesegnetes Osterfest.
Der Herr ist auferstanden!

Der Potager des Gutshofs

  • Kochen

Historische Gärten findet man meistens bei großen Schlössern. Als Kind war ich vom Blühenden Barock fasziniert. Wahrscheinlich mehr vom Märchengarten und weniger von den vielen Blumen und geometrischen Mustern. 
Die Gartenanlage hier am Gutshof geht ins beginnende 19. Jahrhundert zurück und wurde von Wilhelm Hentze konzipiert. Es ist die einzige kleine Privatanlage, die der Gartenmeister angelegt hat. Bekannt wurde er durch seine Arbeit an der Wilhelmshöhe in Kassel, mit der Kuranlage in Hofgeismar oder dem Schlossgarten in Hanau. 

Wo bisher nur Rasen wächst

Schon bei unserem ersten Besuch hat mich die Gartenanlage interessiert. Fast ein wenig ernüchtert blickte ich auf eine fast Fußballfeld-große Rasenfläche. Ein schön angelegtes Rosenbeet mit englischen Rosen in zartem Rosa gibt einen kleinen Hinweis auf das, was einmal angelegt war.

Doch die Frage, warum gerade eine große Mauer den Garten umgeben musste, erschloss sich mir zuerst nicht. Nach einiger Recherche wird nun der Blick auf den “Barockgarten” etwas klarer. Es handelt sich dabei vermutlich um einen sogenannten Potager. Im Grunde ist das nichts Anderes als ein Gemüse- und Obstgarten, der ansehnlich gestaltet wurde. Also ein Küchengarten.

Vielleicht sah alles einmal so aus: ein Brunnen in der Mitte und breite Wege. Im vorderen Teil wurden Blumen angepflanzt, weiter hinten fanden sich Obstbäume. Die Mauer bietet optimale Bedingungen für Spalierobst, vielleicht Pfirsiche oder Pflaumen, denn sie speichert die Wärme und bietet Schutz vor Wind. 

Kleine Schritte und ein großer Plan zum Potager

Der Garten ist ein spannendes Thema für uns und wird uns noch eine Weile beschäftigen. Vorerst bleibt es bei einem Blick auf die große Rasenfläche und das Rosenbeet. Doch ein kleines Kräuterbeet direkt an der Küche, sowie ein paar Töpfe mit Tomaten und Paprika werden dieses Jahr vermutlich schon Einzug halten. 

Das Thema Gartendenkmal reizt mich. Das Thema ist klar, die Richtung schon vorgegebenen, weil dieser Garten eine lange Vorgeschichte hat. Wie können wir das nun wieder aufgreifen? Welche Gemüsesorten wurden angebaut? Welches Obst hat man wann gegessen? Häufig ist mein Blick sehr beschränkt. Im späten Barock war etwa die Ananas eine der wichtigen Luxus-Früchte eines Barockgartens und in beheizten Gewächshäusern wurden die Früchte gezogen. 

Ananas wird es wahrscheinlich so schnell nicht im Barockgarten des Gutshofs geben. Vorher werden alte Obstsorten in traditioneller, hübscher Erziehungsform, etwa der Kesselkrone, einziehen. 
Wobei – was Hannah auf der Fensterbank so züchtet, habe ich nicht in der Hand.

Potager – der Küchengarten

Garten und Küche gehören für mich schon immer zusammen. Es beginnt bei den Blumen auf dem Tisch, die bestenfalls direkt vor der Türe geschnitten werden und hört bei den Zucchini für die Frittata auf, die im warmen Sommer frisch in die Pfanne wandern. Der Garten meiner Oma hat mich in dieser Hinsicht schon immer begeistert. Es gab dort immer frische Tomaten und leckere Salate zu jeder Jahreszeit. Im frühen Sommer waren die Himbeeren reif. Und dann waren da diese Tage, an denen wir Zucchini und anderes Gemüse süßsauer einlegten und den Keller mit Gläsern füllten oder Marmelade aus frischen Früchten kochten. 

Gerne denke ich an diese Zeit zurück. An die vielen Stunden, die ich während den Schulferien im Garten meiner Oma verbrachte. Rasenmähen, Laub fegen, Beete umgraben oder Erdbeeren pflücken. Ein Garten macht Arbeit, doch wenn man Abends den eigenen Salat isst oder auf die Blütenpracht vor dem Haus schaut, weiß man, dass sich die Mühe gelohnt hat. Ein Garten braucht Zeit. Zeit, sich zu entwickeln, Zeit, geplant zu werden und Zeit, die man dort verbringt und investiert.

Der Garten hier in Großropperhausen braucht auch noch ein bisschen Zeit, doch Stück für Stück werden wir uns dem alten Vorbild annähern. Der Potager nach barockem Vorbild. Ein Ort der Fülle, der Ruhe und des Lebens. Ein Garten eben. 

Brot auf dem Gutshof

Knackende Kruste, fluffige Krume und ein herzliches Aroma. Brot ist so vielfältig und doch auch so alltäglich. Vor etwa drei Jahren habe ich mich erstmals ernsthaft mit dem Brotbacken beschäftigt und im Lockdown mich wie so viele nochmal intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. 

Wenige Zutaten und viel Zeit

Gutes Brot benötigt nicht viele Zutaten. Teuer ist das Backen auch nicht. Mehl, Wasser, ein Triebmittel, Salz. Das ist alles was es braucht. Ein paar Zutaten können noch dazu kommen, doch die Liste bleibt eigentlich immer überschaubar. Mehl ist ein erster, entscheidender Faktor. Gutes Mehl bekomme ich hier in der Schwalm noch nicht. In Tübingen war das kein Problem. Die Mühle mit Tü-Bio war quasi vor der Haustüre. 

Eine weitere Stellschraube, die sehr viel verändert ist das Triebmittel. Hefe kennt jeder und der Umgang ist recht einfach. Die Faustformel lautet: Wenig Hefe – viel Zeit. Gute Rezepte habe ich schon immer auf dem Plötzblog gefunden. 

Sauerteig ist die etwas spannendere Variante und ein leicht säuerliches Brot macht viel mehr Spaß. Einen guten Sauerteig muss man hüten und pflegen wie ein Haustier. Denn eigentlich ist er nichts anderes. Es gibt ein paar Grundregeln beim Backen mit dem Sauerteig. Warme Teigführung bringt viel trieb und weniger Säure. Kühle oder längere Führung weniger trieb und viel Säure. Auch hier haben andere schon vorgearbeitet und der Plötzblog bietet eine super Übersicht über Sauerteig

Ein Brot das im Gedächtnis bleibt

Als ich meine Ausbildung zum Sommelier gemacht habe, musste ich in Köln meine praktische Prüfung ablegen. Am Vorabend wollte ich gemütlich Essen gehen und war in einem kleinen, feinen Restaurant. Es war gemütlich und ich blätterte in der Weinkarte. Der Kellner, ein sehr engagierter, unglaublich aufmerksamer Mann brachte etwas Brot und Butter. Noch heute kann ich diesen Geschmack und dieses Brot riechen. Es war ein bekannter, wohltuender Geruch. Gewürze, außergewöhnlich tief. Etwas Kümmel, Fenchelsaat und etwas Anis, sicher auch Koriandersamen. Ich musste etwas überlegen, woher ich diese Mischung kannte. Als ich ein Kind war, besuchten wir als Familie immer die Osterfreizeit der Christusbruderschaft Selbitz. Dort gab es ein Brot, ganz ähnlich diesem, mit intensivem Brotgewürz. 

Manchmal staune ich über das Olfaktorische-Gedächtnis. Es ist nicht präsent. Es ist nicht immer abrufbar. Doch es ist da und im richtigen Moment erinnere ich mich an eine andere Zeit. Gerichte können mich abholen, heimholen und in eine andere Welt entführen. In die Vergangenheit, den Urlaub oder in eine schöne Situation.

Brot und Brötchen

Auf dem Gutshof habe ich inzwischen viele Brötchen und einige Brote gebacken. Aktuell arbeite ich noch daran, das ganze etwas effizienter zu gestalten, sodass ich für meine Gäste nicht ganz so früh aus dem Bett muss. Es macht aber viel Spaß, alte Rezepte wieder zu backen und auch neues auszuprobieren. Besonders die Sauerteig-Brötchen haben mich absolut fasziniert und werden sicher bald im Standart-Reportiere der Gutshofküche landen.

Außerdem gibt es in Großropperhausen noch ein aktives Backhaus, welches ich hoffentlich bald einmal von innen sehe und in dem dann schöne Roggenbrote und leckere Brötchen gebacken werden können. Man darf gespannt sein, was da alles noch so auf uns zukommt!

Faszination Wein

  • Wein

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten bewussten Schluck Wein. Es war im Kloster der Kommunität Christusbruderschaft Selbitz am Ostermorgen. Ich weiß nicht genau, wie alt ich damals war, doch ich durfte vom Abendmahlswein probieren. Heute weiß ich: es war eine Riesling Spätlese. Diese Faszination des Weins, die vom ersten Schluck ausging begleitet mich bis heute.

Lukas Gansky bei einer Weinprobe in Stuttgart - Faszination Wein aus dem Kessel

Vielfalt der Traditionen

Nur wenige andere Erzeugnisse haben eine solch lange Tradition und eine so breite Vielfalt hervorgebracht. Vor einigen Jahren habe ich mich ein wenig mit der Weinbautradition in Osteuropa auseinandergesetzt. Plötzlich schmeckt Wein im ersten Moment gar nicht mehr wie unsere klassischen Gewächse. Fasziniert hat mich auch die Geschichte des Chateau Musar. Das Weingut im Libanon produziert seit 1930 ununterbrochen.

Die Rotweine werden lange im Betonfass und in gebrauchten Barrique ausgebaut und brauchen eine sehr lange Flaschenreife, um richtig Spaß zu machen. Vor einem Jahr durfte ich eine Flasche aus 1997 öffnen. Zuerst ganz verhalten, verschlossen und nur wenig Frucht in der Nase. Also zuerst einmal in die Karaffe, was für solch einen alten Wein eher untypisch ist, doch Serge Hochar lässt während dem Ausbau nur wenig Sauerstoff an den Wein, sodass er nur sehr langsam reift. Mit der Zeit entwickelte sich eine unglaubliche Tiefe. Viel Pflaume, reife, weiche Pflaume und etwas Kirsche. Dazu Waldfrucht. Das ganze Sortiment an Heidelbeere, Brombeere und Himbeere. Aber darüber immer diese reife Pflaume. Es erinnert an einen großartigen Bordeaux und das kommt nicht von ungefähr. Bordeaux hat den Weinbau im Libanon stark geprägt und die Rebsorten beim roten Chateau Musar sind Cabernet Sauvignon und Merlot. Typisch Bordeaux. Der Wein ist sehr faszinierend. Neben der Frucht eine angenehme Reife. Zedernholz und würziger Tabak.

Faszinierende Geschmackswelten und viel Übung

Bei den verschiedenen Rebsorten und Anbauregionen gibt es sehr viel zu entdecken. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass es etwas Übung erfordert, um die Geschmackswelt des Weins voll auszukosten.

Eine Zeit lang habe ich mit verschiedenen Gewürzen und anderen Dingen aus der Küche trainiert. Hannah hat mir kleine Döschen gepackt und ich habe meine Nase auf die Probe gestellt. Einiges ist sehr einfach zu erriechen, anderes fordert heraus.

Die besondere Kunst ist das Spiel mit der Speise selbst. In Tübingen konnte ich mich an einigen Abenden richtig ausleben und habe drei einfache, unkomplizierte Gänge mit jeweils zwei Weinen präsentiert. Ein Wein, der das Essen begleitet, einer der eine Nuance hervorhebt oder das Essen ergänzt. Auch beim Bibelkochen konnte ich mich in Sachen Wein ausprobieren, denn Wein ist aus den biblischen Texten nicht wegzudenken und war in meinen Kombinationen immer etwas, auf das ich besonders eingegangen bin.

Besondere Wein-Momente

Mit zum Wein gehört für ich immer die Gemeinschaft, das Beisammensein mit guten Freunden. Ich erinnere mich an einige schöne Wein-Momente. Etwa diesen einen Abend: Es war ein wunderschöner frühsommerlicher Abend und wir hatten beschlossen das Waffeleisen aus dem Schrank zu holen. Ich wusste, dass ein guter Freund von uns an diesem Abend auf dem Heimweg von der Uni direkt bei uns vorbeifahren musste, so rief ich ihn an und fragte, ob er nicht Lust auf ein gemeinsames Abendessen auf der Terrasse hätte. Vielleicht eine halbe Stunde später saßen wir zwischen unseren Blumenkübeln und es begann nach Waffeln zu duften. Ich öffnete eine Flasche Spätburgunder Sekt, Blanc de Noir, vom Weingut Golter und wir genossen den Abend mit herrlichem Blick auf die Wurmlinger Kapelle. Diesen Moment und diesen Geschmack werde ich niemals vergessen. Feine Perlage, richtig schön cremig. Dazu Holunderblüte, weißer Pfirsich, leichte Briochenote – herrlich wie frisch gebackener Butterzopf. Perfekt zu warmen Waffeln mit Puderzucker. Keine Süße und doch verspielt mit dieser feinen, frischen Aromatik. Pfirsich und Mandel wechseln im Spiel mit Butterzopf und Frühlingsfrische.

Ich kann mir keinen besseren Schaumwein zu Waffeln vorstellen und der Abend mit guter Gemeinschaft und einer satten Freude am Leben wird mir immer bleiben.

Faszinierende Entdeckung

Zum Wein gehört auch immer die Entdeckung des Neuen und das Unerwartete. So ist es mir mit dem Weinwerk Gronau passiert. Timo und Ralf sind inzwischen zu echten Wein-Freunden geworden. Mit den Beiden lassen sich die verrücktesten Weine öffnen und es macht einfach Spaß im Keller gemeinsam die Fässer zu probieren und ein wenig zu spekulieren, wie sich der Tropfen entwickelt.

Für mich sind die beiden eine wunderbare Entdeckung. Am meisten gefällt mir, dass man sich im Weinwerk etwas traut. Vieles wird so gemacht, wie es vor hunderten von Jahren schon gemacht wurde und Timo und Railf scheuen keine Mühe um etwa einen ganz klassischen, handgerüttelten Schaumwein zu erzeugen. Die Faszination, die Dinge von Hand und mit viel Vorsicht und Wissen über die Weinberge, Trauben und den Keller zu machen, wird bei mir immer bleiben.

Wein in Nordhessen

Hier im nordhessischen Großropperhausen, nur einen Spaziergang vom Gutshof entfernt, liegt ein kleiner Weinberg unterhalb des Spießturms. Ein Verein bewirtschaftet den Weinberg. Etwas weiter in Richtung Kassel befindet sich der ehemals nördlichste Weinberg Deutschlands. Am Böddiger Berg wird gemeinsam mit dem Kloster Eberbach nordhessischer Wein erzeugt. Noch konnte ich nicht probieren, doch werde ich mir demnächst einmal eine Flasche besorgen.

Ich freue mich schon auf das Frühjahr und hoffe sehr auf die Möglichkeit von Weinproben und Weinevents, wenn es wärmer wird und man wieder im Freien sitzen kann. Wir sehen uns dann auf dem Gutshof – bei einem faszinierenden Wein und einem schönen Abend voller Gemeinschaft.

Saisonal kochen im Februar

  • Kochen

Unsere Gutshofküche wird im Februar noch nicht im Hochbetrieb stecken. Und vielleicht ist das auch ganz gut so. Nicht nur weil der Februar und andere Wintermonate für mich eine besondere Herausforderung in der Küche sind. Insbesondere wenn es darum geht, saisonal zu kochen.

Saisonales Kochen: Gulaschsuppe im Februar

Entschleunigung

Auch über die Frage nach saisonalen Zutaten hinaus, ist es vielleicht gut, wenn es noch etwas ruhiger zugeht.
Wir können weiter hier auf dem Gutshof alles einrichten und werden in der Küche noch einige Umbauten vornehmen, sodass in Sachen Lagerhaltung und Zubereitung die Plätze besser genutzt werden können.

Auch beim Essen geht es diesen Monat sehr gemütlich zu. Zeit zu haben ist ja auch etwas Gutes. Deshalb möchte ich euch ein Gericht aus der Gutshofküche vorstellen, dass für mich wirklich Winterküche ist. Die Gulaschsuppe. Ich koche gerne gehaltvolle Suppen und wenn man im Winter saisonal kochen möchte, bieten sich solche hervorragend an. Das wärmt den ganzen Tag die Küche und dann bei Tisch auch von innen. Mit selbstgebackenem Brot schmeckt eine kräftige Suppe sogar noch besser.

Saisonales Gemüse

Gulaschsuppe hat bekanntlich viele Gesichter. Ich bin der Meinung, dass viel Gemüse in eine kräftige Suppe gehört. Die Basis bilden Zwiebeln und Wurzelgemüse aus der Region. Dazu gesellt sich Kartoffel und Lauch. Fleisch, nach belieben mager oder durchwachsen, gibt die nötige Würze dazu. Selbstverständlich sind der Gemüseauswahl keine Grenzen gesetzt und auch beim Fleisch lässt sich wunderbar variieren. Keine Suppe wird wie die andere schmecken!

Die meisten Februar-Gemüse lassen sich in diesem Rezept verarbeiten. Sellerie, Steckrüben, Kartoffeln aus Lagerware, Pastinaken, Bete, Petersilienwurzel. Vieles was unter der Erde wächst und gewachsen ist. Außerdem die bunte Vielfalt an Kohl. Grünkohl, Rosenkohl, Rotkohl oder Weißkohl. Wer es etwas ausgefallener mag, schneidet Schwarzwurzel in die Suppe. Ich habe folgendes Rezept gewählt:

Saisonal kochen – das Februarrezept

Für einen großen Topf
Dauer: ca. 3 Stunden

  • 2-3 EL Tomatenmark
  • 4-8 Zwiebeln, je nach Größe
  • 4 Karotten
  • 2 Pastinaken
  • ¼ Stück vom Sellerie
  • 4-8 Kartoffeln
  • 2-3 Stangen Lauch
  • 600g Rinderbraten vom Metzger des Vertrauens

Ich erledige vor Beginn immer zuerst alle Schnippel-Arbeiten für den ersten Arbeitsschritt: 

Die Zwiebeln schälen und grob würfeln. Das Wurzelgemüse waschen, schälen und ebenfalls grob würfeln. Den Rinderbraten in kleine Würfel schneiden.

Das Fleisch in einem großen Topf kräftig anbraten. Am besten auf zweimal, sodass das Fleisch nicht im eigenen Saft vor sich hin köchelt. Das Fleisch herausnehmen und beiseitestellen.

Das Wurzelgemüse und die Zwiebeln kräftig anbraten. Tomatenmark hinzugeben und etwas Wasser zum Ablöschen bereitstellen. Richtig kräftig Farbe nehmen lassen und mit einem kleinen Schluck Wasser ablöschen. Bodensatz immer wieder lösen und das Gemüse bewegen. Erneut reduzieren und Farbe nehmen lassen. Wieder Ablöschen. Wiederholen bis sich eine schöne, braune Farbe gebildet hat.

Fleisch zugeben und so viel Wasser zugeben, dass alles gerade so bedeckt ist.
Etwa zwei Stunden auf niedriger Stufe ziehen lassen.

Die Kartoffeln schälen und kleinschneiden. Zugeben, gegebenenfalls noch etwas Wasser zugeben, aufkochen und etwa 30 Minuten ziehen lassen. Den Lauch waschen und in Ringe schneiden. 15 Minuten vor Ende hinzugeben.

Mit Salz abschmecken und nach belieben würzen.
Ich verwende gerne etwas gerauchten Chili für den Pep, ein wenig Liebstöckel, Majoran, etwas Bohnenkraut und Pfeffer. Muskatnuss oder aber Afrikanischer Langer Pfeffer bringen eine gewisse Spannung mit ins Aromen-Spiel.

Das wichtigste bei solchen Suppen ist viel Zeit und gute Lebensmittel.

Nordhessen – Lebensmittel aus der Region

Die vergangenen Wochen auf dem Gutshof waren für uns sehr abwechslungsreich. Wir sortieren uns, arbeiten uns ein und lernen vor allem auch die Menschen und die Region kennen. Nordhessen hat viel zu bieten. Herrliche Schneelandschaften, große Wälder und natürlich viele kleine Erzeuger. Für uns ist es wichtig, gute, hochwertige Lebensmittel aus der Region zu beziehen, die wir in der Küche verwenden können.

Winter in Nordhessen. Blick auf das Knüllgebirge.

Nordhessische Lebensmittel

Wir nehmen uns Zeit zum Einkaufen. Das beginnt im normalen Supermarkt. Dort versuche ich aktuell herauszufinden, welche Erzeugnisse aus der Region stammen. Einiges ist vorhanden, etwa Milch vom Vogelsberg oder Eier vom Bauern um die Ecke. Andere Lebensmittel vermisse ich. Beim Gemüse findet man etwa nur weniges aus der Region im Supermarkt, was natürlich auch der Jahreszeit geschuldet ist.

Regionaler Biohof – Gemüse und mehr

Der Biohof Groß ist für uns ein echter Schatz und gerade im Bereich von regionalem Gemüse die erste Anlaufstation. Schon im September, als wir zum ersten Mal richtig auf dem Gutshof gekocht haben, waren wir dort und haben den Hofladen kennen gelernt. Es gibt dort fast alles. Vom eigenen Obst und Gemüse über Bio-Bananen bis hin zu Wein oder Sahne und Wurst und Fleisch von eigenen Schweinen. Für uns sind vor allem die verschiedenen Gemüsesorten interessant. Etwa 60 Kulturen pflegt Malte Groß mit seinem Team. Tomaten, Gurken, und Paprika, Mangold, Spinat und Vieles mehr.

Schweineglück der Tierfairbrik

Nur wenige Kilometer vom Biohof Groß entfernt liegt der Bauernhof von Hubertus Nägel und Julia Becker. Die beiden setzen sich mit ihrer Tierfairbrik intensiv für gutes Schweinefleisch ein. Besonders die großen Flächen fallen direkt ins Auge. Wir durften einen Blick in den Schweinestall mit den Jungen werfen. Anders als auf konventionellen Höfen dürfen die Ferkel lange bei ihrer Mutter bleiben und werden erst nach zehn bis zwölf Wochen getrennt. Außerdem leben die Tiere deutlich länger. Normalerweise ist das Schlachtgewicht eines Schweins nach etwa vier Monaten erreicht. Die Tiere von Hubertus leben hingegen über ein Jahr, bevor sie geschlachtet werden.

Nordhessischer Käse – der Kellerwaldhof

Erste Käseversuche durfte ich auch probieren. Der Kellerwaldhof liegt zwar etwas weiter entfernt, doch wird dort aus hofeigener Milch noch Käse hergestellt. Das Team stellt eine große Bandbreite verschiedenster Käsesorten her. Vom Hartkäse bis zum weichen Camembert ist alles dabei. Ein Weichkäse mit Rotschmiere hat es mir angetan. Er wird liebevoll Schrumpel-Käse genannt. Anders als beim klassischen Limburger ist der intensive Geschmack komplex und spannungsreich.

Bisher waren wir noch nicht vor Ort, aber in den nächsten Wochen werden wir dem Kellerwald-Team sicher auch noch einen Besuch abstatten.

Wildregion Nordhessen

Da die Region stark bewaldet ist, findet sich auch viel Wild in Nordhessen. Wir haben die Möglichkeit, hier auf dem Gutshof direkt Wild zu beziehen. Solch ein Fleisch bevorzuge ich natürlich, denn ein Wildschwein, das durch die nordhessischen Wälder streifen konnte und mit einem sauberen Schuss erlegt wird, hatte ein gutes Leben und liefert beste Fleischqualität. Mehr Tierwohl geht bei Fleischgenuss wohl nicht.

Die Suche geht weiter

Auch das Bäckerhandwerk kann sich sehen lassen. Wir haben schon viele verschiedene Brote und Brötchen probiert und vieles hat uns gefallen. Nur eins ist sicher: Die Brezeln sind zuhause um Längen besser! Doch für einen Lieblingsbäcker konnten wir uns noch nicht entscheiden.
Da es direkt in Großropperhausen keine Bäckerei gibt, werden wir in Zukunft sicher auch vieles selbst backen.

Unsere Suche nach guten, bewusst produzierten Lebensmitteln aus der Region ist noch nicht beendet. Einen Fischhändler, Wasserbüffel und ein Mühlenladen werden wir in den kommenden Wochen noch besuchen. In nächster Zeit steht außerdem eine Bierprobe verschiedener regionaler Brauereien an.

Bei einigen Themen merke ich auch, dass ich mir bisher noch wenige Gedanken gemacht habe. Tee zum Beispiel. Ich stelle fest, dass gerade auf Tagungen viel Tee getrunken wird. Ich möchte meinen Gästen gerne leckeren Tee anbieten, doch machen die Teebeutel viel Müll im vergleich zu losem Tee in einer Kanne. In Tübingen habe ich besonders im Winter meinen Tee in einem schönen, gemütlichen Tee-Laden eingekauft. Das Teehus bietet eine große Auswahl und vor allem eine super Beratung. Deshalb habe ich einfach einmal nachgefragt, was sie mir in meiner Situation empfehlen. Und sogar von Ferne ist die Beratung einmalig. Die Entscheidung ist noch nicht endgültig getroffen, denn zuerst werde ich mich durch ein Tee-Sortiment testen um eine schöne, bewusste Auswahl zusammen zu stellen.

Wertschätzung der Lebensmittel

Mit dieser Suche nach guten Lebensmitteln verbindet sich natürlich eine gewisse Grundeinstellung. Ich glaube, dass hochwertige Erzeugnisse und ein bewusster und schonender Umgang mit der Natur die Grundlage einer guten Küche sein müssen. Wenn der Koch nicht immer auch ein bisschen Landwirt, Metzger und Bäcker ist, versteht er seine Produkte nicht ganzheitlich.

Unsere Lieferanten sind das wichtigste Gut der Gutshofküche. Gerade, wenn es um tierische Lebensmittel geht, egal ob Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte, steht das Tierwohl für mich an zentraler Stelle. Der Respekt vor dem Tier, vor dem Leben, ist unerlässlich, wenn wir diese Produkte konsumieren. Ich wünsche mir, dass mein Umgang mit diesen Produkten auch den Blick meiner Gäste schärft.

Eine gesunde, biologische und naturnahe Landwirtschaft ist die einzige Alternative zu Monokultur und Überproduktion. Deshalb liegt ein besonderer Fokus auf Projekten, Kleinbauern und Initiativen, die Tier und Natur wertschätzen.

Mit diesem Eintrag ist nur ein Anfang gemacht und ich bin noch am Lernen und Ausprobieren. Doch halte ich es für das wichtigste, dass wir uns auf den Weg machen. An dem Ort an dem wir leben und arbeiten.

Die Ananas wächst nicht in Nordhessen

Konkret heißt das für mich auch manchmal Einschnitte hinzunehmen und Produkte nicht oder nur selten anzubieten. Aktuell denke ich viel über Südfrüchte, Mangos, Avocados oder Ananas nach. Gibt es eine Möglichkeit, diese Lebensmittel bewusst und nachhaltig auf dem Gutshof anzubieten? Teilweise werde ich meinen Idealismus hinten anstellen und diese Erzeugnisse möglichst hochwertig und nachhaltig produziert einkaufen. Doch möchte ich gerade dann meinen Gästen vermitteln, dass es sich dabei eigentlich um ein Luxusgut handelt. Auch wenn wir diese Lebensmittel tagtäglich im Supermarkt kaufen können.

Ich bin gespannt, was wir in der Region noch alles entdecken werden, welche Türen sich öffnen und welche Menschen wir kennen lernen. Ich freue mich auf persönliche Geschichten, ehrliche und liebevolle Erzeugnisse und darauf, diese Lebensmittel in der Gutshofküche zu verarbeiten.

Der Dry-January – Ein Monat ohne Wein

  • Wein

Ich liebe Wein! Wein macht Spaß, Wein ist Lebensfreude. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken und die Vielfalt ist fast unerschöpflich. Zu einem schönen Abend mit gutem Essen gehört für mich auch ein gutes Glas Wein. Dabei bin ich nicht wählerisch – ob Rot-, Weiß- oder Süßwein. Hauptsache gut muss er sein. Ich mag Wein nicht wegen des Alkohols, sondern einfach, weil ich die Vielfalt der Aromen liebe und es spannend finde, wie sich im Wein ein Jahrgang, eine Region oder sogar eine einzelne Lage hineinlegt. Trotzdem entscheide ich mich jedes Jahr für einen Dry-January.

Die Kapelle des Gutshofs mit Fokus auf dem Altar

Warum Dry-January

Der alkoholfreie Monat ist in der professionellen Weinszene häufig zu finden. Die meisten werden aus gesundheitlichen Gründen verzichten. Ich merke aber, dass für mich mehr dahintersteckt.

Gerade über die Weihnachtstage kennen viele das Gefühl: Ich bin satt! Genug gegessen, genug getrunken – einfach satt und vielleicht sogar ein bisschen darüber hinaus. Dieses Jahr habe ich dieses Gefühl weniger intensiv wahrgenommen – in den vergangenen Jahren jedoch umso deutlicher.

Gerade wenn es ums Essen geht, kann ich am Jahresende deutlich dieses Völlegefühl verspüren. Es beginnt bei der Auswahl des Weihnachtsmenüs. Was soll auf den Tisch kommen? Einfach Kartoffelsalat und Würstchen? Oder doch lieber einen Braten? Gans wäre auch so ein Klassiker – aber das ging vor einigen Jahren so schief, dass die Gans kein Genuss mehr war. Aber auch bei anderen Themen fühle ich mich einfach satt. Etwa wenn es um die Weihnachtswünsche geht. Schon früh im Dezember fragt meine Mutter, was sie mir zu Weihnachten schenken darf. Ich weiß es nicht, weil ich eigentlich schon alles habe. Und dann ist da noch die Zeit zwischen den Jahren. Was tut man, wenn Weihnachten vorbei ist und man eigentlich nur auf den Jahreswechsel wartet?

Die Besinnung bringt mich zu mir selbst

Der Januar ist für mich vielleicht der besinnlichere Monat. Ich esse weniger, muss mir nichts Wünschen und bringe neue Ordnung und Struktur in meinen Alltag. Dazu gehört für mich der Wein-Verzicht.

Der Januar erdet mich. Mein Geschmackssinn darf pausieren und ich suche bewusst keine geschmackvolle alkoholfreie Alternative. Tee und Wasser sind die Getränke des Januars. Ausruhen und sich besinnen. Dabei geht es mir nicht darum, diesen Monat zu verzwecken, um bei meinem Geschmack einen Reset-Knopf zu drücken. Vielmehr geht es mir darum, wieder bei mir anzukommen. Den Blick nicht schweifen zu lassen über die vielen Weine, die ich noch probieren möchte, die verrückten Foodparings die ich mir ausgedacht habe, sondern in mich zu hören und ruhig zu werden.

Das Problem ist: Heute wird Achtsamkeit oft verwendet zur Selbstoptimierung. Sei ein bisschen Achtsam, mach ein bisschen Meditation, dass du dann noch besser funktionierst! Und das ist im Letzten das Gegenteil von dem, worum’s wirklich geht. Auch das Gegenteil von Liebe. Achtsamkeit hat vielmehr damit zu tun, mit allen Sinnen präsent zu sein. Für mich selber präsent zu sein, für den anderen und für Gott. Und zwar unverzweckt –
ohne dass sich das gleich rentieren muss!

Johannes Hartl

Johannes Hartl spricht in einem Beitrag zum Thema Achtsamkeit über das zweckfreie Sein. Ich erlebe meinen Dry-January ganz ähnlich. Sobald ich in diese Tage mit der Aussicht gehe, meinen Geschmack zu verbessern, kreisen meine Gedanken um verschiedene Weine, die ich dann vielleicht verkosten möchte. Ich komme nicht bei mir an, kann mich nicht besinnen. Dieses Wort „besinnen“ beschreibt es vielleicht auch ganz gut. Zurück zu meinen Sinnen. Wahrnehmen. Doch nicht nur das Volle, Intensive, Überladene, Barocke oder Avantgardistische, sondern auch das Leere, Stille, Nichts.

Achtsamkeit und Sinnlichkeit im Alltag

Genau das ist es, worum es auch beim Fasten geht. Mein trockener Januar ist ein Monat des Wein-Fastens, des Besinnens, ruhig werden.

Wer dem Thema noch ein wenig nachgehen möchte, der kann gerne einmal in das Video von Johannes Hartl zum Thema Achtsamkeit reinschauen. Ich finde dort einige, sehr gute Gedanken. Der Neustart hier auf dem Gutshof lässt mich auch innehalten und nachdenken, wie ich meinen Alltag lebe, was ich tue und wie ich mich verhalte. Ich habe begonnen das Tagzeitengebet am Morgen zu beten. In aller Ruhe lese ich die Zeilen:

Zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens,
durch den Glauben haben wir erkannt:
Du bist der Heilige Gottes

Gelobt seist du, Herr Jesus Christus,
König unendlicher Herrlichkeit!

Auszug aus dem Tagzeitengebet

Es tut gut, hier auf dem Gutshof ruhig ins Jahr zu starten. Hannah und ich haben viel Zeit für uns, genießen die Tage am wärmenden Kamin, sprechen über unsere ersten Erfahrungen hier auf dem Gutshof und können ankommen. Ich denke wir sollten uns nicht nur im Advent besinnen, sondern Zeiten im Alltag schaffen, an denen wir zur Ruhe kommen können, wahrnehmen und einfach Sein dürfen.

Etwas Neues beginnt

Ein richtig heißer Sommertag neigt sich dem Ende entgegen, die Schatten werden länger und der Himmel wird in unvergleichliches Purpur getaucht. Die Kerze auf dem Tisch zuckt in der lauen Luft und erhellt das erste Dunkel der Nacht.

Gemeinsam mit Rainer und Ilona Wälde sitzen wir an diesem Abend im August im Garten des Gutshofs, direkt hinter dem Gästehaus. Wir hören gespannt ihre Geschichten zur Gutshof Akademie und bekommen einen ersten Einblick in ihren Weg nach Nordhessen. Immer wieder unterbreche ich und stelle Fragen zur Auslastung, zum Umsatz oder zur Pacht. Im Nachhinein erzählte Ilona, dass wir in diesen Momenten etwas verkopft aufgefallen sind. Und wahrscheinlich hat sie damit recht.

Das vergangene Jahr war sehr herausfordernd für uns. Im Frühjahr durfte ich mein Theologiestudium abschließen, Hannah beendete ihr Theologieexamen im Sommer, nur wenige Wochen vor besagtem Tag. Der Weg ins Pfarramt ist für uns beide gerade nicht der Richtige. Schon seit Jahren denke ich über einen eigenen Beherbergungsbetrieb nach. Während des Studiums besuchte ich eine Fortbildung zum Sommelier, arbeitete gemeinsam mit meiner Frau im Cateringunternehmen Dän-grillt und durfte verschiedene Hochzeiten und Feste von Freunden bekochen. Doch als Quereinsteiger wollte ich zuerst einige Erfahrungen im Gastgewerbe sammeln. Ende März war der erste Druck durch Corona zu spüren und meine Chancen, eine Anstellung in der Gastronomie zu finden, schwanden dahin.

Die folgenden Monate sollten sehr ernüchternd werden. Über eine Freundin fand ich – glücklicherweise – schnell Arbeit als Hausmeister und Lagerist in der Apotheke der Universitätsklinik. Medikamente für die Stationen packen, Lagerbestände prüfen, Paletten verschieben und fegen wurde zu meinem Alltag.

Anfangs dachte ich, dass ich dort wenige Wochen, vielleicht zwei Monate, arbeiten sollte, doch es zeichnete sich schnell ab, dass uns allen ein Jahr des Stillstands bevorstehen würde. Also beschloss ich, meine Zeit sinnvoll zu nutzen und meinen gastronomischen Träumen trotz Corona etwas Raum zu geben. Ich unterhielt mich mit verschiedenen Menschen, arbeitete an meinen Gedanken und machte mich auf die Suche nach Konzepten, die christlichen Glauben und Gastronomie gemeinsam denken können. Und während dieser Suche, stolperten wir geradezu über den nordhessischen Gutshof.

Und dann mussten wir ins kalte Wasser springen. Mitte September – eine kleine Gruppe hatte sich zur Wohnberaterausbildung angemeldet. Wir hatten mit Rainer und Ilona vereinbart, dass Hannah und ich die Verpflegung der Gruppe übernehmen würden. Dreierlei Quiche, rote Beete mit Ziegenkäse und Rucola, zum Nachtisch ein Zwetschgen-Crumble, das etwas länger dauerte, weil wir mit dem modernen Ofen nicht zurechtkamen. Nach dem ersten Essen spürte ich, wie ich ankommen konnte. Langsam nahmen wir auch wahr, dass die Vision die Rainer und Ilona verfolgen, unseren Träumen ganz nahesteht. Hannah und ich erleben uns immer wieder als Sinnsucher und sehen gleichzeitig die Dinge, die wir in unserem Leben schon erarbeiten, lernen und sehen durften. Wir möchten sinnstiften – für mich ist das eine Kernkompetenz guter Gastronomie. Die besten Gespräche, die tiefsten Gedanken und die ehrlichsten Begegnungen finden selten im Hörsaal der Uni statt. Vielmehr am Tisch, bei einem guten Wein, mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

Torbogen im Barockgarten

Etwa acht Wochen später, die Corona-Situation spitzte sich wieder zu, durften wir erneut für die Gruppe kochen. Wir hatten uns mit Rainer und Ilona verabredet, um über die praktischen Schritte zu sprechen. Nun waren die Fragen, die mich schon bei unserem ersten Besuch beschäftigten, aktuell. Vieles liegt noch offen vor uns und während ich diese Zeilen schreibe, ist ein Ende der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Krise noch nicht in Sicht. Ein zweiter Lockdown ist Realität geworden und wir starten ins Ungewisse.

In den letzten Wochen der Überlegung, Planung und Vorbereitung wurde mir immer mehr bewusst: Solch ein Neustart liegt immer im Ungewissen, egal ob mit oder ohne weltweiter Unsicherheit. Ich mag es mit Luther halten und pflanze einen Apfelbaum. Ich werde ihn gießen und mein Nötigstes tun. Ich will kreative Wege finden, um mit oder ohne Lockdown Menschen an gedeckte Tische zu bringen, ihnen den Genuss eines reifen Spätburgunders näher zu bringen oder die Kochkultur meiner Großeltern und Urgroßeltern weiter zu tragen. Und doch weiß ich: Ich kann arbeiten so viel ich will. Das wenigste liegt in meinen Händen.

Bibelkochen 4.0

47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. 59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

Johannes 6

Beim ersten Lesen des Textes wusste ich, dass ich diese Zeilen in einem Bibelkochen präsentieren möchte. Die Bibelstelle ist extrem dicht und es finden sich darin wahnsinnig viele Motive und Bezüge – so etwas macht mir immer Spaß! Auch theologisch finde ich diesen Text sehr spannend und ich war gespannt, wie sich das dann am Tisch entfaltet.

Wie immer, erstmal ein einfacher Start. Meine Gäste sollen ankommen, sich unterhalten, wohlfühlen und kennenlernen.


Der nächste Gang war ein spannender Einstieg in das eigentliche Menü. Bitterkräuter, Brotcreme aus Sauerteigbrot und ungesäuertem Brot, sowie Wermut und Essig stellen spannungsreiche Kombinationen dar, denen man sich langsam nähern muss. Auch der Bibeltext steigt spannungsreich ein: Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. – Joh. 6,49+50

Danach wird es kulinarisch einfacher. Kartoffel-Sellerie-Suppe mit Mais und Schnittlauch. Dazu im Erlenfurnier gegarte heimische Forelle. Thematisiert wurde das in die Welt gekommene Brot des Lebens, sowie die Frage des Nikodemus, die immer wieder im Hintergrund des Bibeltextes steht: Was muss ich tun, um ewig zu leben?


Der Hauptgang ist sicher der Höhepunkt. Lammhaxe und Lammkottlet an Rotweinsauce. Dazu Lahmancun und Shakshuka. Viele Symbole fallen hier ineinander und greifen, wie schon zuvor, immer wieder die Elemente des Sederabends auf.

Käse ist für mich immer ein Beziehungsthema. Käse muss gepflegt werden und das erste Lebensmittel was wir zu uns nehmen ist die Milch unserer eigenen Mutter. Der Gang geht an den Anfang zurück. Das Charosset, ein Mus aus Äpfel, Feigen, Datteln und Wein lässt wieder das Passamahl anklingen, wo dieses Gericht die Ziegel während der ägyptischen Gefangenschaft thematisiert.


Mango, Ananas und Physalis als exotische Früchte bringen Spannung und runden den Nachtisch ab. Milch und Honig, sowie die Lotuswurzel spielen auf Verheißung und ewiges Leben an.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. – Joh. 6,54

Beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem Essen wurde nochmal über die Elemente der einzelnen Gänge gesprochen und der Abend konnte bei einem letzten Glas gutem Wein ausklingen. Danke an alle, die dabei waren und mir das ermöglicht haben! Ein besonderer Dank gilt meiner Frau, die mich an diesen Tagen besonders unterstützt hat!
Außerdem möchte ich meinem Herrn Jesus Christus Danken, für all den Überfluss, seine Gnade und Güte! Und so soll jeder Teller der meine Küche verlässt ein Lobpreis auf den sein, der alles geschaffen hat. Danke!

Bibelkochen – fünfter Gang

Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Offenbarung 5

Der letzte Gang sollte das Sammeln der Völker zum Ausdruck bringen. Ich hatte das Thema schon in den Amouse anklingen lassen, da es für mich eines der zentralsten Motiven in Offenbarung 5 und vielen anderen eschatologischen (endzeitlichen) Texten ist. Ich wollte die Sammlung durch die vier Himmelsrichtungen ausdrücken. Dazu wählte ich für den Norden ein Sorbet von der Preiselbeere und ein Molke-Granita. Asien wurde durch Litchi und Kiwicreme mit Matcha dargestellt. Für Afrika wählte ich einen Frangipane mit Banane und ein Schokoladen-Mousse. Für den Westen wollte ich nicht Amerika, sondern die Karibik oder den Norden Südamerikas thematisieren. Deshalb gab es eine Art Flan de Caramel mit frischen Kokosraspeln und kandierter Ananas.

Ich dachte schon am Abend nach dem Essen, dass es schön gewesen wäre, wenn durch die Farbe Rot alle unterschiedlichen Himmelsrichtungen miteinander verbunden werden, da das Blut Christi die Völker vereint. Das würde ich beim nächsten Mal mit Sicherheit anders machen.

Der Nachtisch darf für mich aber auch niemals zu kompliziert in der Aussage sein. Es geht am Ende darum einen lockeren, gemütlichen Abschluss zu finden. So ist es auch für mich total interessant dann noch mit den Leuten zu reden, etwas Wein zu trinken und die Gemeinschaft zu genießen. Die Gespräche die sich aus solch einem Abend entwickeln sind immer sehr interessant.