Der Potager des Gutshofs

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Historische Gärten findet man meistens bei großen Schlössern. Als Kind war ich vom Blühenden Barock fasziniert. Wahrscheinlich mehr vom Märchengarten und weniger von den vielen Blumen und geometrischen Mustern. 
Die Gartenanlage hier am Gutshof geht ins beginnende 19. Jahrhundert zurück und wurde von Wilhelm Hentze konzipiert. Es ist die einzige kleine Privatanlage, die der Gartenmeister angelegt hat. Bekannt wurde er durch seine Arbeit an der Wilhelmshöhe in Kassel, mit der Kuranlage in Hofgeismar oder dem Schlossgarten in Hanau. 

Wo bisher nur Rasen wächst

Schon bei unserem ersten Besuch hat mich die Gartenanlage interessiert. Fast ein wenig ernüchtert blickte ich auf eine fast Fußballfeld-große Rasenfläche. Ein schön angelegtes Rosenbeet mit englischen Rosen in zartem Rosa gibt einen kleinen Hinweis auf das, was einmal angelegt war.

Doch die Frage, warum gerade eine große Mauer den Garten umgeben musste, erschloss sich mir zuerst nicht. Nach einiger Recherche wird nun der Blick auf den “Barockgarten” etwas klarer. Es handelt sich dabei vermutlich um einen sogenannten Potager. Im Grunde ist das nichts Anderes als ein Gemüse- und Obstgarten, der ansehnlich gestaltet wurde. Also ein Küchengarten.

Vielleicht sah alles einmal so aus: ein Brunnen in der Mitte und breite Wege. Im vorderen Teil wurden Blumen angepflanzt, weiter hinten fanden sich Obstbäume. Die Mauer bietet optimale Bedingungen für Spalierobst, vielleicht Pfirsiche oder Pflaumen, denn sie speichert die Wärme und bietet Schutz vor Wind. 

Kleine Schritte und ein großer Plan zum Potager

Der Garten ist ein spannendes Thema für uns und wird uns noch eine Weile beschäftigen. Vorerst bleibt es bei einem Blick auf die große Rasenfläche und das Rosenbeet. Doch ein kleines Kräuterbeet direkt an der Küche, sowie ein paar Töpfe mit Tomaten und Paprika werden dieses Jahr vermutlich schon Einzug halten. 

Das Thema Gartendenkmal reizt mich. Das Thema ist klar, die Richtung schon vorgegebenen, weil dieser Garten eine lange Vorgeschichte hat. Wie können wir das nun wieder aufgreifen? Welche Gemüsesorten wurden angebaut? Welches Obst hat man wann gegessen? Häufig ist mein Blick sehr beschränkt. Im späten Barock war etwa die Ananas eine der wichtigen Luxus-Früchte eines Barockgartens und in beheizten Gewächshäusern wurden die Früchte gezogen. 

Ananas wird es wahrscheinlich so schnell nicht im Barockgarten des Gutshofs geben. Vorher werden alte Obstsorten in traditioneller, hübscher Erziehungsform, etwa der Kesselkrone, einziehen. 
Wobei – was Hannah auf der Fensterbank so züchtet, habe ich nicht in der Hand.

Potager – der Küchengarten

Garten und Küche gehören für mich schon immer zusammen. Es beginnt bei den Blumen auf dem Tisch, die bestenfalls direkt vor der Türe geschnitten werden und hört bei den Zucchini für die Frittata auf, die im warmen Sommer frisch in die Pfanne wandern. Der Garten meiner Oma hat mich in dieser Hinsicht schon immer begeistert. Es gab dort immer frische Tomaten und leckere Salate zu jeder Jahreszeit. Im frühen Sommer waren die Himbeeren reif. Und dann waren da diese Tage, an denen wir Zucchini und anderes Gemüse süßsauer einlegten und den Keller mit Gläsern füllten oder Marmelade aus frischen Früchten kochten. 

Gerne denke ich an diese Zeit zurück. An die vielen Stunden, die ich während den Schulferien im Garten meiner Oma verbrachte. Rasenmähen, Laub fegen, Beete umgraben oder Erdbeeren pflücken. Ein Garten macht Arbeit, doch wenn man Abends den eigenen Salat isst oder auf die Blütenpracht vor dem Haus schaut, weiß man, dass sich die Mühe gelohnt hat. Ein Garten braucht Zeit. Zeit, sich zu entwickeln, Zeit, geplant zu werden und Zeit, die man dort verbringt und investiert.

Der Garten hier in Großropperhausen braucht auch noch ein bisschen Zeit, doch Stück für Stück werden wir uns dem alten Vorbild annähern. Der Potager nach barockem Vorbild. Ein Ort der Fülle, der Ruhe und des Lebens. Ein Garten eben.