Weinprobe

Faszination Wein

  • Wein

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten bewussten Schluck Wein. Es war im Kloster der Kommunität Christusbruderschaft Selbitz am Ostermorgen. Ich weiß nicht genau, wie alt ich damals war, doch ich durfte vom Abendmahlswein probieren. Heute weiß ich: es war eine Riesling Spätlese. Diese Faszination des Weins, die vom ersten Schluck ausging begleitet mich bis heute.

Lukas Gansky bei einer Weinprobe in Stuttgart - Faszination Wein aus dem Kessel

Vielfalt der Traditionen

Nur wenige andere Erzeugnisse haben eine solch lange Tradition und eine so breite Vielfalt hervorgebracht. Vor einigen Jahren habe ich mich ein wenig mit der Weinbautradition in Osteuropa auseinandergesetzt. Plötzlich schmeckt Wein im ersten Moment gar nicht mehr wie unsere klassischen Gewächse. Fasziniert hat mich auch die Geschichte des Chateau Musar. Das Weingut im Libanon produziert seit 1930 ununterbrochen.

Die Rotweine werden lange im Betonfass und in gebrauchten Barrique ausgebaut und brauchen eine sehr lange Flaschenreife, um richtig Spaß zu machen. Vor einem Jahr durfte ich eine Flasche aus 1997 öffnen. Zuerst ganz verhalten, verschlossen und nur wenig Frucht in der Nase. Also zuerst einmal in die Karaffe, was für solch einen alten Wein eher untypisch ist, doch Serge Hochar lässt während dem Ausbau nur wenig Sauerstoff an den Wein, sodass er nur sehr langsam reift. Mit der Zeit entwickelte sich eine unglaubliche Tiefe. Viel Pflaume, reife, weiche Pflaume und etwas Kirsche. Dazu Waldfrucht. Das ganze Sortiment an Heidelbeere, Brombeere und Himbeere. Aber darüber immer diese reife Pflaume. Es erinnert an einen großartigen Bordeaux und das kommt nicht von ungefähr. Bordeaux hat den Weinbau im Libanon stark geprägt und die Rebsorten beim roten Chateau Musar sind Cabernet Sauvignon und Merlot. Typisch Bordeaux. Der Wein ist sehr faszinierend. Neben der Frucht eine angenehme Reife. Zedernholz und würziger Tabak.

Faszinierende Geschmackswelten und viel Übung

Bei den verschiedenen Rebsorten und Anbauregionen gibt es sehr viel zu entdecken. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass es etwas Übung erfordert, um die Geschmackswelt des Weins voll auszukosten.

Eine Zeit lang habe ich mit verschiedenen Gewürzen und anderen Dingen aus der Küche trainiert. Hannah hat mir kleine Döschen gepackt und ich habe meine Nase auf die Probe gestellt. Einiges ist sehr einfach zu erriechen, anderes fordert heraus.

Die besondere Kunst ist das Spiel mit der Speise selbst. In Tübingen konnte ich mich an einigen Abenden richtig ausleben und habe drei einfache, unkomplizierte Gänge mit jeweils zwei Weinen präsentiert. Ein Wein, der das Essen begleitet, einer der eine Nuance hervorhebt oder das Essen ergänzt. Auch beim Bibelkochen konnte ich mich in Sachen Wein ausprobieren, denn Wein ist aus den biblischen Texten nicht wegzudenken und war in meinen Kombinationen immer etwas, auf das ich besonders eingegangen bin.

Besondere Wein-Momente

Mit zum Wein gehört für ich immer die Gemeinschaft, das Beisammensein mit guten Freunden. Ich erinnere mich an einige schöne Wein-Momente. Etwa diesen einen Abend: Es war ein wunderschöner frühsommerlicher Abend und wir hatten beschlossen das Waffeleisen aus dem Schrank zu holen. Ich wusste, dass ein guter Freund von uns an diesem Abend auf dem Heimweg von der Uni direkt bei uns vorbeifahren musste, so rief ich ihn an und fragte, ob er nicht Lust auf ein gemeinsames Abendessen auf der Terrasse hätte. Vielleicht eine halbe Stunde später saßen wir zwischen unseren Blumenkübeln und es begann nach Waffeln zu duften. Ich öffnete eine Flasche Spätburgunder Sekt, Blanc de Noir, vom Weingut Golter und wir genossen den Abend mit herrlichem Blick auf die Wurmlinger Kapelle. Diesen Moment und diesen Geschmack werde ich niemals vergessen. Feine Perlage, richtig schön cremig. Dazu Holunderblüte, weißer Pfirsich, leichte Briochenote – herrlich wie frisch gebackener Butterzopf. Perfekt zu warmen Waffeln mit Puderzucker. Keine Süße und doch verspielt mit dieser feinen, frischen Aromatik. Pfirsich und Mandel wechseln im Spiel mit Butterzopf und Frühlingsfrische.

Ich kann mir keinen besseren Schaumwein zu Waffeln vorstellen und der Abend mit guter Gemeinschaft und einer satten Freude am Leben wird mir immer bleiben.

Faszinierende Entdeckung

Zum Wein gehört auch immer die Entdeckung des Neuen und das Unerwartete. So ist es mir mit dem Weinwerk Gronau passiert. Timo und Ralf sind inzwischen zu echten Wein-Freunden geworden. Mit den Beiden lassen sich die verrücktesten Weine öffnen und es macht einfach Spaß im Keller gemeinsam die Fässer zu probieren und ein wenig zu spekulieren, wie sich der Tropfen entwickelt.

Für mich sind die beiden eine wunderbare Entdeckung. Am meisten gefällt mir, dass man sich im Weinwerk etwas traut. Vieles wird so gemacht, wie es vor hunderten von Jahren schon gemacht wurde und Timo und Railf scheuen keine Mühe um etwa einen ganz klassischen, handgerüttelten Schaumwein zu erzeugen. Die Faszination, die Dinge von Hand und mit viel Vorsicht und Wissen über die Weinberge, Trauben und den Keller zu machen, wird bei mir immer bleiben.

Wein in Nordhessen

Hier im nordhessischen Großropperhausen, nur einen Spaziergang vom Gutshof entfernt, liegt ein kleiner Weinberg unterhalb des Spießturms. Ein Verein bewirtschaftet den Weinberg. Etwas weiter in Richtung Kassel befindet sich der ehemals nördlichste Weinberg Deutschlands. Am Böddiger Berg wird gemeinsam mit dem Kloster Eberbach nordhessischer Wein erzeugt. Noch konnte ich nicht probieren, doch werde ich mir demnächst einmal eine Flasche besorgen.

Ich freue mich schon auf das Frühjahr und hoffe sehr auf die Möglichkeit von Weinproben und Weinevents, wenn es wärmer wird und man wieder im Freien sitzen kann. Wir sehen uns dann auf dem Gutshof – bei einem faszinierenden Wein und einem schönen Abend voller Gemeinschaft.